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Es war beinahe Mitternacht und nicht viele Soldaten waren am Fort. Goku hielt sich hauptsächlich im Dunkeln auf und versuchte von den restlichen nicht gesehen zu werden, denn obwohl sie jetzt wahrscheinlich nichts zu seiner Anwesenheit am Fort sagen würden, könnten sie am Morgen schon anderer Meinung sein. Er drückte seinen Rücken gegen eine Wand in der Dunkelheit und beobachtete behutsam, wie zwei Soldaten an ihm vorbeigingen. Sie bemerkten ihn nicht. Langsam schlich Goku sich um die Ecke herum und ging durch die offene Tür, die ihn eine Treppe hinunter zu dem Zellenblock führen würde.
Er wusste, dass er mit diesen Taten gegen das Gesetz verstoßen würde, doch er konnte Bulmas Ersuchen nicht ablehnen, nicht nachdem er versagt hatte. Niemand würde wissen, dass er es war – zumindest hoffte er es, als er durch eine weitere Tür trat und nun vor der Reihe der Zellen stand. Dort, in der ersten Zelle, sah er Vegeta im schwachen Mondlicht auf dem Stroh sitzen und mit seinem Kopf gegen die kalte Steinmauer lehnen. Die Augen des Saiyajins öffneten sich, als er die Fußschritte gehört hatte.
„Was wollt Ihr?“
Die Stimme klang arrogant und gleichgültig, doch Goku glaubte, dass er Vegeta inzwischen besser kannte. Es war einfach seine Art, mit seiner schlimmen Lage fertig zu werden. „Euch helfen.“ Zwei einfache Worte, doch er spürte sofort die Augen des Piraten auf sich, als ob er ihn herausforderte zu sagen, dass er scherzte. Goku tat es nicht. Stattdessen schritt er durch den Flur, sich den dunklen Augen, die jeder seiner Bewegungen folgte, bewusst, bis er vor einem Haken in der Mauer stand, wo ein Schlüssel hing. „Bulma bat mich, das zu tun, aber ich tue es nicht nur für sie. Ich tue es auch für mich. Ich glaube, dass Ihr eine zweite Chance verdient, Vegeta, selbst wenn es nicht in dieser Stadt und nicht mit Bulma ist. Ich werde Euch diese Chance bieten.“ Er nahm den Schlüssel von dem Haken und legte ihn auf einen Felsen direkt vor Vegetas Zelle, wo er den Schlüssel ohne Probleme erreichen könnte. „Das einzige, was Ihr tun müsst, ist sie zu ergreifen.“
Vegeta wusste nicht, was er sagen sollte, als er beobachtete, wie sich der andere Saiyajin umwandte und den Flur mit den Abschiedsworten diese Chance weise zu nutzen verließ. Seine Gedanken überschlugen sich mit Fragen. Niemals zuvor hatte jemand so etwas für ihn getan. Sein Vater hatte ihn verraten, sowie seine Mannschaft, warum also sollte er Kakarotto vertrauen?
Eine leise Stimme in seinem Hinterkopf flüsterte ihm zu, dass dieser andere Saiyajin sich von allen anderen, die er getroffen hatte, unterschied. Kakarotto war sehr wie sein Vater – sie waren beide ehrenvolle Männer. Bardock hatte ihn nicht verraten und war nach all diesen Jahren und nach allem, was er getan hatte um den Ruf der Saiyajins zu beschmutzen, ihm gegenüber noch immer loyal. Es schien, als ob Kakarotto ihm wirklich half zu fliehen, doch irgendwie konnte Vegeta in dieser Tatsache keinen Trost finden.
Verdiente er das? Nein, und Vegeta war sich dessen im Klaren, doch es war ihm egal. Er hatte schon vorher darüber nachgedacht – er war ein Pirat und war immer unbarmherzig gewesen, bis dieses verdammte Weib aufgetaucht war und seine ganze Welt auf den Kopf gestellt hatte. Es war ihre Schuld. Ohne sie wäre er schon lange tot gewesen, von Frieza getötet.
Aber nun war er hier. Noch am Leben, wenn auch nicht mehr für lange. Er könnte das Leben eines Flüchtigen wählen – Kakarotto hatte ihm diese Wahl geboten – doch würde sein Stolz so ein Leben erlauben? Wäre der Tod nicht vorzuziehen? Vor nur wenigen Wochen hatte er beschlossen, dass der Tod in der Tat besser war, doch nun, als er an die Worte des Weibs dachte, war er sich dessen nicht mehr so sicher.
Mit einem bedächtigen Blick auf seinem Gesicht, landeten seine Augen wieder auf dem Schlüssel.
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Bulma konnte nicht schlafen. Obwohl sie es schon vermutet hatte, als der Doktor ihre diese Frage gestellt hatte, fiel es ihr schwer, seinen Worten Glauben zu schenken. Schwanger. Mit Vegetas Kind. Und Vegeta würde in wenigen Stunden sterben. Ohne zu wissen, dass er ein Vater werden würde. Würde sie es ihm jemals erzählen können? Wie würde er reagieren? Irgendwie fiel es ihr schwer, sich Vegeta als einen Vater vorzustellen. Doch das war jetzt zu spät. Sie war sich sicher, dass sie ihn nach diesem Morgen bei der Verhandlung nie wiedersehen würde – egal ob ihr Plan funktionierte oder nicht.
Wie auch immer, selbst wenn sie jemals damit klarkommen würde, wie sollte sie es ihren Eltern beibringen? Würden sie sie zwingen einen Fremden zu heiraten, nur damit sie vorgeben konnten, dass der Vater des Kindes kein Pirat war? Doch der Diagnose des Arztes und ihren eigenen Berechnungen nach zu urteilen war sie schon im zweiten Monat! Das war einfach nicht möglich! Außerdem würde sie niemals jemanden heiraten, den sie überhaupt nicht kannte. Der flüchtige Gedanke an Yamchu schoss ihr durch den Kopf, doch sie schüttelte ihn schnell ab. Er würde wissen, dass das Baby nicht seines war.
Glücklicherweise war der Arzt an die Schweigepflicht gebunden, deshalb würde er niemandem davon ohne ihre Zustimmung erzählen. Doch wie lange konnte sie ihre Schwangerschaft geheim halten? Vielleicht noch ein oder zwei Monate bis man es sehen konnte? Was würde sie dann tun? Sie konnte ihr Kind nicht aufgeben, doch es würde auch nicht gut angesehen werden, wenn sie es alleine aufzog. Sie war die Tochter von Lord Briefs, um Gottes Willen! Frauen ihres Standes wurden einfach nicht von Piraten geschwängert. Man würde sie nie verstehen!
Ein frustriertes Stöhnen entkam ihren Lippen, als sie sich auf ihre andere Seite warf in dem verzweifelten Versuch eine bequeme Position zu finden, damit sie endlich einschlafen konnte. Doch irgendwie wusste sie, dass es vergeblich sein würde. Sie war zu besorgt über das, was vorging, um überhaupt zu schlafen.
Bulma hoffte nur, dass Goku das getan hatte, um was sie ihn gebeten hatte und dass Vegeta seine einzige Chance, dem Tod zu entkommen, nutzen würde. Sie würde lieber ihr Kind mit einem flüchtigen, aber lebendigen Vater aufwachsen lassen, als mit einem toten und als Warnung an andere Piraten ausgestellten Vater.
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Als Goku am nächsten Morgen zusammen mit den anderen Wachen die Steintreppen hinabstieg, bereitete er sich auf den Anblick einer leeren Zelle vor, deren Tür weit offen stand und in der Vegeta nirgends zu sehen. Er schloss seine Augen für einen kurzen Moment, als er wieder durch die Tür trat, doch all seine Hoffnung verschwand, als er den Piraten in seiner Zelle sitzen sah. Der Schlüssel war die ganze Nacht unberührt geblieben.
Ihre Augen trafen sich und Goku seufzte tief. Die Augen des Piraten waren widerspenstig und leuchteten mit Stolz. Er würde sich dem Tod mit hoch erhobenem Haupt stellen und weder Furcht noch Niederlage zeigen.
Das würde Bulmas Herz brechen.
Die zwei Wachen eilten an ihm vorbei und öffneten die Zelle, wobei sie der Lage des Schlüssels nur einen flüchtigen Blick zuwarfen, da sie offensichtig dachten, dass jemand ihn da aus Versehen fallen gelassen hatte, doch da der Gefangene noch da war, brachten sie dieser merkwürdigen Gegebenheit keine weitere Aufmerksamkeit entgegen. Sie legten an Vegetas Fußgelenken und Handgelenken wieder Fesseln an und zogen ihn in eine stehende Position. Keiner der beiden Saiyajins verlor ein Wort, als Vegeta an Goku vorbei und die Treppen zu dem Innenhof des Forts hinaufgeführt wurde, wo in weniger als einer halben Stunde die Hinrichtung stattfinden sollte.
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Bulma wachte auf, als sie in ihrem Zimmer etwas hörte. Etwas desorientiert öffnete sie ihre Augen und schaute sich um. Die Sonne schien hell durch die Lücken zwischen den Vorhängen und Bulma musste mehrere Male blinzeln bis sich ihre Augen an den Lichtstrahl gewöhnt hatten. Wann war sie eingeschlafen? Sie drehte ihren Kopf und setzte sich in ihrem Bett auf, während sie sich ihre Augen rieb.
Sie erblickte sofort ein Zimmermädchen, das sich erschrocken umdrehte und sie entschuldigend anschaute. „Es tut mir Leid, Miss“, sagte sie schnell. „Ich wollte Euch nicht wecken, aber Eure Eltern baten mich, nach Euch zu schauen, falls Ihr um diese Zeit noch schlafen solltet.“
„Meine Eltern?“, fragte Bulma verwirrt. Warum schickten sie ein Zimmermädchen? Normalerweise würden sie selbst nach ihr schauen. „Wo sind sie?“
„Am Fort, natürlich. Um sich die Hinrichtung dieses abscheulichen Piraten anzuschauen...“ Offensichtlich hatte das Zimmermädchen das Gerücht über Bulma und den Piraten noch nicht gehört, ansonsten hätte sie das wahrscheinlich nicht gesagt.
Bulma ballte ihre Fäuste und sie bemerkte beinahe, wie sämtliche Farbe aus ihrem Gesicht floh. „Was meinst du?“ Oh bitte, sag mir nicht, dass Vegeta noch hier ist. Sag mir, dass er geflohen ist.
„Nun, die Hinrichtung des Piraten Vegeta. Sie wurde für heute festgesetzt, in etwa fünfzehn Minuten, um genau zu sein...“ Das Zimmermädchen hielt überrascht inne, als Lady Bulma fast aus ihrem Bett sprang und einen Umhang über ihr Nachthemd warf. „Miss? Lady Bulma? Ist alles in Ordnung?”
Ohne überhaupt auf die beunruhigten Worte des Zimmermädchens zu reagieren, eilte Bulma aus dem Zimmer heraus. Ihre nackten Füße trugen sie die Treppen hinunter in das Foyer und durch mehrere Flure zu der Hintertür die zu den Stallungen führte. Die Stallburschen, sowohl junge wie auch alte, starrten auf ihr zerzaustes Erscheinungsbild – die nackten Füße, ihre leichte Bekleidung und langes, wasserfarbenes Haar, dass offen hinter ihr herwehte. Doch Bulma hielt nicht einmal an, da sie sie und das Pieksen der winzigen Steinchen unter ihren Füßen – das war nichts verglichen mit ihrer Wanderung durch den Wald ohne Schuhe – einfach ignorierte, als sie sich nach einem bereits gesattelten und gezäumten Pferd umschaute, da es einfach zu lange dauern würde, ihre eigene Stute fertig zu machen.
Endlich erblickte sie eines und ohne überhaupt zu fragen, ob sie es nehmen konnte – sie war immerhin die Tochter des Lords – stieg sie auf den braunen Wallach und trieb es zu einem Galopp bevor sie die Stallungen überhaupt verlassen hatte.
Nur ein Gedanke schoss ihr durch den Kopf. Sie musste zum Fort gelangen, bevor Vegeta gehängt wurde.
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Das letzte Mal, dass Son Goku so viele Leute auf einmal gesehen hatte, war auf Ginger Island gewesen, während der Festlichkeiten über Friezas Niederlage. Es war dann ein freudiges Ereignis gewesen – es war jetzt kein freudiges. Nach alle dem, was er versucht hatte, nachdem er sogar bereit gewesen war, das Gesetz zu brechen, sollte Vegeta noch immer gehängt werden. Wieder einmal bemerkte Goku enttäuscht, dass er versagt hatte.
Der Prinz der Saiyajins stand schon auf dem Galgen, mit seinem Kopf in der Schlinge, doch er war noch immer ganz ruhig. Es schien fast so, als ob er es akzeptiert hatte. Das betrübte Goku. Er verstand nicht, wie jemand so willig den Tod über das Leben wählen konnte. Vielleicht, wenn er nichts mehr hätte, für das er leben konnte, aber er hatte gesehen, wie Vegeta und Bulma miteinander umgingen. War das für ihn nicht Grund genug zu leben? Warum nicht? Goku würde erst sein Leben aufgeben, wenn all seine Freunde, ChiChi und Gohan tot waren, wenn keiner von ihnen mehr übrig war. Was könnte Vegeta so wichtig sein, dass er ohne dem nicht leben konnte?
Er stand zusammen mit ChiChi, Gohan, Bardock und allen Mitgliedern seiner Mannschaft, die bei der Mission dabei gewesen waren, an der Seite von Lord Briefs, seiner Frau und Admiral Kaiou auf einigen Treppenstufen, von wo aus sie das ganze Spektakel beobachten konnten. Unter ihnen waren die Stadtbewohner versammelt, aller begierig darauf zu sehen, wie ein Pirat, und so ein berühmter obendrein, hing.
„Das ist ungerecht“, hörte er Juuhachigou, die direkt neben Krillin stand, murmeln.
Goku schaute zu ihr hinüber. Das war das erste Mal, dass sie in seiner Gegenwart Mitgefühl zeigte. Aber sie war eine Jinzoningen. Er glaubte, dass sie sich vielleicht mehr mit Vegeta identifizieren konnte, als alle anderen. Aber sie hatte Recht. Das war ungerecht, aber es war die Entscheidung von Richter Emna. Es war nur eine Person anwesend, die diese Entscheidung überstimmen konnte, nur diese Person würde nichts tun.
Seine Augen ruhten auf Lord Briefs, der stur geradeaus blickte. Goku wusste, dass er nur das tat, was er für richtig hielt, und zwar dem Gesetz zu folgen – nur dass seine Entscheidung für seine Tochter nicht die richtige war.
Seine Aufmerksamkeit wurde wieder zu dem Galgen gezogen, wo nun die Verbrechen, die Vegeta begangen hatte, noch einmal aufgeführt wurden, dieses Mal für die Öffentlichkeit. Das kam ihm für seinen Geschmack alles zu bekannt vor, da er erst vor wenigen Wochen an Vegetas Stelle gewesen war. Doch Vegeta verzog noch immer keine Miene. Goku seufzte. Nur ein Wunder könnte ihn jetzt noch retten.
Wenige Minuten später, als die Liste endlich ein Ende erreicht hatte, wünschte sich Goku, er wäre irgendwo anders. Er war nur froh, dass Bulma noch im Palast war und das nicht sehen musste.
Trommeln begannen zu spielen und ihr Rhythmus wurde stetig schneller. In nur wenigen Sekunden würde alles vorbei sein. Gokus Blick wanderte wieder zu Vegeta, der seinen Blick traf und ihm einmal zunickte, als ob er ihm für das, was er getan hatte, dankte, obwohl es nicht genug gewesen war. Der jüngere Saiyajin erwiderte das Nicken, obwohl er noch immer wünschte, dass er mit seinen Versuchen Vegeta zu retten erfolgreicher gewesen wäre.
Plötzlich, nur den Bruchteil einer Sekunde bevor die Trommeln aufhörten zu spielen und der Henker den Hebel zog, hallte ein Ruf durch den Hof und alle Köpfe wandten sich von dem Galgen fort. Alles war zu einem kompletten Stillstand gekommen.
„Halt!“
Gokus Augen weiteten sich, als er Bulma erblickte, die noch ihr Nachthemd unter einem Umhang trug und auf sie zurannte.
„Tötet ihn nicht!“
Gokus Kopf wirbelte zu Vegeta herum, und zum ersten Mal an diesem Tag konnte man etwas auf seinem Gesicht sehen, das Überraschung ähnelte.
„Bulma!“, rief Lord Briefs überrascht aus. „Was machst du hier? Der Arzt sagte, dass du für die nächsten zwei Tage zur Erholung im Bett bleiben sollst.“
„Vater... Daddy, bitte töte ihn nicht“, sagte sie bloß, als sie vor ihnen zum Stehen kam.Ihr Vater seufzte. „Bulma... Liebling, wir haben schon darüber gesprochen. Du weißt, dass ich nichts—“
„Ich bin schwanger!“ Diese Worte verließen ihren Mund bevor sie sie überhaupt denken konnte und ihre Hand flog zu ihren Lippen in dem Moment, in dem sie sie ausgesprochen hatte. Sie bemerkte das Weiten der Augen ihrer Eltern und Freunde, doch sie konnte die Worte jetzt nicht mehr zurücknehmen.
„Wovon sprichst du, Bulma?“, fragte Goku.
„Bulma“, sagte ihr Vater sanft, da er das nicht glauben wollte. „Du bist nur verwirrt. Komm schon, einer der Wachmänner wird dich nach Hause bringen.“
„Nein, Vater! Du verstehst es nicht! Der Arzt hat es mir gestern gesagt! Ich bin schwanger, mit Vegetas Kind. Du kannst ihn nicht töten!“
Bulma blickte das Gesicht ihres Vaters forschend an und wartete auf irgendeine Reaktion. Er hatte seine Augen geschlossen, als er offensichtlich einen inneren Kampf führte. Sie hoffte, nein, sie betete, dass er ihre Bitte erhören würde.
Endlich, nach qualvoll langen Sekunden öffnete er seine Augen wieder. „Bulma... Bist du dir ganz sicher? Liebst du diesen Mann wirklich?”
„Das bin ich, Daddy. Ich tue es...“
„Son Goku“, sagte Lord Briefs nun zu dem jüngeren Mann. „Ich weiß, Ihr habt es vorher schon gesagt, aber kann dieser Pirat, kann er wirklich ein guter Mann sein?“
„Ja, mein Lord, wenn er die Chance bekommt...“
Ein weiterer Seufzer kam über die Lippen des Lords, als er seine Frau, die lächelte und ihm zunickte, schließlich anschaute, bevor er sich dem Galgen zuwandte und verkündete, laut genug damit alle es hören konnten: „Aufgrund neuester Entwicklungen werden alle Anklagepunkte gegen Vegeta fallen gelassen. Lasst ihn gehen.“ Protest und verwirrtes Gerede brach in der Menge aus, während Bulmas enge Freunde noch immer sprachlos waren. Lord Briefs ignorierte seine Soldaten und Ratgeber, die seine Entscheidung in Frage stellten. „Geh zu ihm, Bulma.“
Vegeta konnte es nicht glauben. Was hatte das Weib zu ihrem Vater gesagt um ihn davon zu überzeugen, das zu tun?
Er bemerkte kaum, dass jemand die Fesseln von seinen Handgelenken, Fußgelenken und die Schlinge um seinen Hals entfernte, doch die Schlinge wurde sofort durch die Arme des Weibs ersetzt.
Ein paar Sekunden lang versteifte er sich überrascht. Er wusste nicht, wie er reagierten sollte. In nur wenigen Momenten hatte sich sein ganzes Leben wieder auf den Kopf gestellt. Er sollte inzwischen schon tot sein und nicht leben. Er hatte es akzeptiert. Am Ende hatte er es sogar gewollt! Diese letzten paar Tage hatte er nur für das Weib an dem Glauben festgehalten, dass er nicht sterben musste, aber dann, nachdem Kakarotto ihm die Chance geboten hatte, zu fliehen, hatte er aufgegeben.
Was sollte er, ein Prinz ohne Königreich, dessen Schicksal von denen gestohlen worden war, die ihm untergeordnet waren, in einer Welt tun, die mit Leuten gefüllt war, die ihn verabscheuten und ihn töten wollten? Der Tod hatte begonnen ziemlich attraktiv auszusehen, doch er wollte die Bedingungen für sein Ableben bestimmen. Er war kein Feigling und er wollte wie ein wahrer Prinz sterben um allen zu zeigen, dass sie, wenn sie ihm auch sein Leben nehmen konnten, ihm niemals seinen Stolz nehmen konnten.
Nachdem er sie ziemlich unsanft von sich weggeschubst und sie an ihren Oberarmen ergriffen hatte, schaute er sie an und schrie beinahe: „Was hast du getan?“
„Ich habe meinen Vater gebeten, dich gehen zu lassen“, antwortete Bulma; ihr war es egal, was die Menge von ihr hielt und sie war von seinem Verhalten ganz und gar unbeeindruckt. Sie hatte inzwischen schon genug Zeit mit ihm verbracht um zu wissen, wie sie mit seinen Launen umzugehen hatte und jetzt musste er nur die Wahrheit wissen. „Vegeta... Ich bin... Ich bin schwanger. Du wirst ein Vater.”
Er ließ sie sofort los, als ob er sich verbrannt hatte und trat einen Schritt zurück. Sein Blick flackerte nach hinten, wo ihre Freunde noch immer standen und alle gleich erstaunt aussahen, und dann wieder zu dem Weib. Sein Verstand registrierte ihre Worte kaum, daher stellte er nur eine Frage: „Wie?“
Ein kleines Grinsen zog an ihren Lippen. „Ich glaube, du weißt genau, wie das passiert ist.“
Mit einem Kopfschütteln sagte Vegeta plötzlich: „Das hättest du nicht tun sollen. Du hättest deinen Vater nicht darum bitten sollen, mich zu verschonen.“ Verdammt! Das machte alles nur noch komplizierter. Wenn er das doch nur nie erfahren hätte! Sein Stolz würde ihm jetzt nie erlauben, sein Leben aufzugeben. Das Weib trug seinen Erben – etwas, das er nie für möglich gehalten hätte. Selbst während er mit dem Weib zusammen gewesen war, hatte er einfach gewusst, dass sie nie so zusammen sein konnten, wie sie es wollte, ganz davon zu schweigen, dass sie ihm ein Kind gebären würde.
Aber was sollte er jetzt tun, da er die Erlösung nicht mehr im Tod suchen konnte?
Sein Blick wanderte wieder zu dem Lord und es entwickelte sich langsam ein Plan in seinem Kopf.
„Warum?“, fragte Bulma verwirrt. „Ich liebe dich, Vegeta. Ich hab dir das schon vorher gesagt. Ich will dich an meiner Seite. Ich will, dass du da bist, wenn unser Kind aufwächst!“
„Und ich habe dir schon gesagt, dass ich vor deinem Vater und deinen Freunden nicht auf den Knien rumkriechen würde!“ Vegeta war wieder einmal defensiv und er zuckte beinahe zusammen, als er den verletzten Blick über ihre Augen huschen sah, obwohl er schnell durch Wut ersetzt wurde. Aber es musste getan werden.
„Verdammt, Vegeta“, schrie sie nun. „Warum musst du nur so stolz sein? Sei froh, dass du noch lebst! Alles ist jetzt anders! Frieza ist tot!”
„Vielleicht lebe ich! Aber ich habe alles verloren! Mein Königreich, meine Mannschaft, mein Schiff, mein Schicksal! Ich bin nichts!“
„Nein“, widersprach Bulma und schüttelte ihren Kopf. „Du hast nicht alles verloren. Du hast noch mich und unser Kind. Ist das nicht genug?“
„Nein“, sagte Vegeta bloß und schob sich an ihr vorbei.
Tränen traten ihr in die Augen, als sie schaute, wie er sich seinen Weg durch die neugierige Menge bahnte, die ihren Austausch mit viel Interesse beobachtet hatte. Es dauerte ein paar Sekunden, bis sie sich von seinem Ausbruch erholt hatte, aber als sie es hatte, folgte sie ihm sofort. „Vegeta! Vegeta! Warte! Was hast du vor?”
Vegeta hörte nicht auf sie, als er entschlossen auf Lord Briefs zuschritt. Wenn der alte Mann ihm schon einen Gefallen getan hatte, würde es ihm sicherlich nichts ausmachen, ihm einen weiteren zu tun. Yamchu stellte sich zwischen Vegeta und Lord Briefs, doch der Saiyajin schubste ihn einfach zur Seite. Er musste es dem alten Mann hoch anrechnen – er zuckte nicht einmal. Goku trat auf sie zu, doch schwieg.
„Lord Briefs“, sagte er kurz, sich vollkommen bewusst, dass Bulma inzwischen ebenfalls bei ihnen angekommen war. „Ich muss mit Euch unter vier Augen sprechen, aber wenn Ihr es wünscht, dürfen Kakarotto und Bardock dem Treffen beiwohnen.“
Lord Briefs schaute sich den Piraten vor sich einen Moment lang bedächtig an bevor er schließlich nickte. „In Ordnung. Admiral Kaiou, gibt es einen Raum im Fort, den wir nutzen können?“
„Natürlich. Folgt mir bitte.“
Bulma beobachtete hilflos, als die fünf Männer den Hof verließen, unfähig sich zu bewegen. Sie war sich so sicher gewesen, dass er bei ihr bleiben würde, nun da er frei war, doch sie hatte sich offensichtlich geirrt.
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Es wurde schon dunkel, als Vegeta mit einer Tasche, die neue Kleidung – ähnlich der, die er jetzt trug, schwarze Stiefel und Hosen und ein dunkelblaues Hemd – enthielt, über die Schulter geworfen, vor dem großen Handelsschiff stand, das ihn von der Westlichen Hauptstadt fort bringen würde
Ein leiser Seufzer entkam seinen Lippen. Das Schiff war nicht die Ouji und es war nicht seins, doch er würde sowieso nicht so viel Zeit auf diesem Schiff verbringen. Sobald er das erste Ziel der Mannschaft, Yadrat, erreicht hatte, würde er fort sein. Von diesem Moment an würde er auf seiner Suche auf sich gestellt sein, auf seiner Suche nach der legendären Macht in sich, die zwei niedere Mitglieder seiner Rasse schon gefunden hatten.
Lord Briefs war ziemlich entgegenkommend gewesen, als Vegeta sein Ersuchen beschrieben hatte, oder besser, seine Forderung ihm die Überfahrt auf einem Schiff zu erlauben und die Nachricht seines Freispruchs zu verbreiten. Das letzte, was er jetzt gebrauchen konnte, war, dass jemand ihn jagte und tötete, wen er gerade beschlossen hatte, dass er nicht mehr sterben konnte.
Es hatte nur eine Bedingung gegeben, die er akzeptierten musste bevor der Lord seinen Bedingungen zugestimmt hatte. Irgendwie verwunderte ihn die Tatsache, dass Lord Briefs sein Grunzen als Zustimmung angesehen hatte, sehr. Was, wenn er sein versprechen nicht hielt? Würden sie wieder anfangen ihn zu jagen? Selbst wenn, solange er sich ruhig verhielt, würden sie ihn niemals finden können.
Vegeta wollte gerade auf die Planke treten um auf das Schiff zu kommen, als er Fußschritte hinter sich hörte. Ohne sich überhaupt umzuschauen, wusste er, wer es war. Bulma konnte nicht glauben, wie viel Glück sie hatte, als sie zusammen mit Goku, der ihr angeboten hatte, sie dorthin zu begleiten, beim Hafen ankam und sah, dass das Schiff noch nicht abgelegt hatte und das Vegeta noch am Kai stand. Sie beschleunigte ihre Schritte, in der Hoffnung, dass er nicht verschwunden war, wenn sie beim Schiff ankam, doch sie wurde wieder langsamer, als er stehen blieb. Sie bemerkte, dass Goku direkt hinter ihr war, doch es war ihr egal. Sie wollte nur diese Möglichkeit sich zu verabschieden.
Ihr Herz begann sofort schneller zu schlagen, als er sich umdrehte und ihre blauen Augen seine dunklen trafen. „Vegeta“, flüsterte sie atemlos.
„Weib“, grüßte er sie mit einem Nicken. „Kakarotto.“
„Vegeta,“ entgegnete Goku. Dann flüsterte zu Bulma: „Ich bin bei der Kutsche, wenn du mich brauchst.“
Sie verfielen in ein Schweigen, nachdem Goku sich zurückgezogen hatte, da Bulma einfach nicht die Worte fand, die sie sagen wollte. Sie hatte sie in der Kutsche auf dem Weg zum Hafen immer und immer wieder wiederholt. Es gab so viele Dinge, die sie zu ihm sagen wollte. Dass sie ihn liebte. Dass sie ihn brauchte. Dass er nicht gehen sollte. Aber all diese Worte waren weg.
Bulma war wieder am Boden zerstört gewesen, als ihr Vater ihr von Vegetas Ersuchen, die Stadt zu verlassen, erzählt hatte, doch er hatte versucht sie aufzumuntern, indem er ihr versprach, dass Goku sie an diesem Abend zum Hafen bringen konnte um sich zu verabschieden. Es hatte irgendwie geholfen zu wissen, dass sie das tun konnte und auch, dass, selbst wenn er nicht an ihrer Seite war, er immerhin lebte.
Ihre Gedanken wanderten zurück zu der Zeit, als sie ihn das erste Mal getroffen hatte und ein kleines Grinsen huschte über ihr Gesicht. Oh, wie sie ihn da gehasst hatte! Er war die ganze Zeit so arrogant gewesen und sie hatte ihn für einen kaltherzigen Mörder gehalten, doch langsam hatte sie angefangen eine Seite an ihm zu erkennen, die die anderen vorher noch nicht erkannt hatten. Sie hatte bemerkt, dass er nicht so kalt war, wie er vorgab, dass sie unter seinem harten Äußeren ein Herz finden konnte. Er hatte sie immerhin die ganze Zeit mit Essen versorgt, selbst nach ihrem verfehlten Fluchtversuch auf Namek, und er hatte sich um sie gekümmert, nachdem er sie vor Nappa gerettet hatte. Als sie zusammen gewesen waren, hatte sie ihn wirklich gesehen, den wirklichen Vegeta, und sich in ihn verliebt. Sie wusste noch immer nicht viel von seiner Kindheit, doch sie glaubte, dass sie das Wesentliche kannte und wusste, dass es wirklich eine große Leistung war, nach all dem, was er erlebt hatte, sich noch sorgen zu können.
Sie bewunderte ihn dafür.
Bulma öffnete ihren Mund, in der Hoffnung, dass sie die richtigen Worte finden würde um ihn davon zu überzeugen zu bleiben, doch dann dachte sie noch einmal darüber nach und trat stattdessen auf ihn zu um ihre Lippen auf seine zu pressen. Zuerst schien sie ihn überrumpelt zu haben, doch nach ein paar Sekunden ließ er sich ebenfalls in dem Kuss gehen. Bulma konnte alles fühlen, was er ihr nicht sagen konnte. All die Gefühle und Emotionen, die normalerweise tief in ihm begraben waren. Und plötzlich machte sie sich keine Sorgen mehr. Irgendwie gab es ihr das Gefühl, dass sie wirklich geliebt und sich um sie gesorgt wurde. Sie wusste einfach, dass am Ende alles gut würde.
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Vegeta stand am Bug des Schiffes und starrte in den Nachthimmel hinaus, während die Männer um ihn herum arbeiteten. Sie hatten den Hafen erst vor wenigen Minuten verlassen. Ein Grinsen zog an seinen Lippen, als er wieder auf die kleine Notiz schaute, die das Weib ihm zugesteckt hatte bevor er an Bord des Handelsschiffes gegangen war.
‚Du bist wirklich legendär, Vegeta. Hör niemals auf daran zu glauben, weil ich es weiß. Ich habe dich gesehen. Lach mich nicht aus, aber ich habe einen goldenen Engel gesehen, der mich vor dem Ertrinken gerettet hat. Gib die Hoffnung nicht auf.
In Liebe
Dein Weib’
Er hatte zuerst geschnaubt, als das gelesen hatte. Ein goldener Engel! Aber dann hatte es ihn plötzlich wie der Schlag getroffen. Wie er diesen Sturm überlebt hatte. Wie er es geschafft hatte, nicht nur sich sondern auch das Weib zu retten. Wenn was sie schrieb wahr war, würde es ihn von einer schweren Bürde befreien. Wenn was sie schrieb wahr war, war sein Schicksal nicht verloren. Er war nicht länger nichts.
Mit der Notiz wieder ordentlich gefaltet und sicher in einer seiner Hosentaschen verwahrt, ließ er den Wind in sein Gesicht wehen und fühlte sich das erste Mal seit langer Zeit frei.
Ich werde nicht aufhören, daran zu glauben, Weib. Ich werde die Hoffnung nicht aufgeben.
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Es waren Tränen in Bulmas Augen zu sehen, als sie zu der Kutsche zurückkehrte, wo Goku noch immer geduldig auf sie wartete. Er war einen Moment lang um sie besorgt, doch sah dann ein Lächeln auf ihren Lippen. Er legte eine tröstende Hand auf ihre Schulter und fragte: „Geht es dir gut?“
Sie nickte schwach und lächelte ihren besten Freund an, als sie ihre Hand auf seine legte. „Ja. Ich glaube schon... Ich vermisse ihn nur schon... Und ich...“ Bulma atmete einmal zittrig durch. „Ich weiß, es klingt egoistisch, aber ich will, dass er hier ist, wenn unser Kind aufwächst. Ich will nicht, dass unser Kind niemals seinen Vater kennen lernt...“
Zu ihrer großen Überraschung, warf Goku ihr ein breites Grinsen zu. „Darum würde ich mir keine Sorgen machen. Glaub mir...“